stille hunde - der drachentoeter

 

der drachentöter

die sage vom siegfried, sehr frei nacherzählt vom Wandertheaterbetreiber Alberto Kniff,
von Stefan Dehler nach alten Heldengesängen

zum programm

Dass Kunst allein nicht satt macht, davon kann der Wandertheaterbetreiber Kniff ein Lied singen. Ja, die brotlose Kunst wird bei ihm zur notwendigen Dreingabe zu den Dingen, die er verhökert. Das Theater muss herhalten, um Schnaps und gekochte Eier an den Mann zu bringen. Heute steht die Sage vom Ursprung dieser als lebensverlängernd angepriesenen Köstlichkeiten auf dem Spielplan - die alte Erzählung vom heldenhaften Siegfried, seinem Kampf gegen den Drachen, der Erwerb eines Goldschatzes und der anschließende Aufstieg zu Ritterehren und Prinzenwürde. Herr Kniff bringt also Hochkultur auf die Bühne. Normalerweise tut er das mit sich selbst als einzigem Darsteller, denn seine Truppe ist auf einen einzigen Mitarbeiter geschrumpft, Herr Schalentier. Der hat eigentlich nur die Bühne zu fegen, Kaffee zu kochen, den Vorhang auszubürsten und seinem Chef alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Nur ab und zu darf er neben dem Meister auf den Brettern stehen – als Stichwortgeber. Aber es kommt der Tag, wo er dem Sklavendasein entkommt, zumindest für eine Stunde im Reich der Fantasie. Denn in der Rolle des Siegfried nimmt er das Schwert in die Hand und damit die Macht über beinahe alles, was auf dem Theater geschieht: Siegfrieds einstige Heldentaten werden so zu Herrn Schalentiers aktuellen Triumphen – und der gute Herr Kniff hat alle Mühe, die Geschichte einigermaßen auf dem Gleis seines Dramas zu halten. Dass das nicht ohne Blessuren abgeht, versteht sich selbst. Aber nicht nur die Kunst erleidet beträchtlichen Schaden, sondern auch die Akteure, die über fast jede Hürde der alten Sage stolpern und sich nicht nur an Drachenatem, gut beheizten Jungfrauenfelsen und heißer Liebe die Finger verbrennen.

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